Mobile Küche “Sol_Eat”: Sommertour 2017 (Bericht)

Der erste Sol_Eat-Sommer: Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer. Der Fokus des Sommers 2017 lag für das Küchenprojekt „Sol_Eat“ darin, eine erste vollständige Saison selbstständig durchzuführen.

Es war ein wirklich schweres Vorhaben, alle Ideen in einem Projekt zu verwirklichen, um die festsitzenden, geflüchteten Menschen auf Lesbos zu unterstützen. Neben der Idee, die Geflüchteten auch im nächsten Winter vor Ort kochend zu unterstützen, ist es ein wichtiger Teil von Sol_Eat, mit dem Kochen im Sommer auf Festivals Spenden zu sammeln, um den Winterplan zu finanzieren.

Mit vereinten Kräften konnten wir im Sommer 2017 die „no border kitchen Lesbos“ mit insgesamt 5000 Euro durch unser Festivalkochen unterstützen! Dieses permanente Küchenkollektiv auf der griechischen Insel hatten wir ja letzten Winter kennen gelernt und vor Ort mitgearbeitet.

Also lautet das erste Fazit: Erfolgreich. Ein solches Projekt ist also realisierbar. Aber ist es auch haltbar?

Erste Schritte: April und Mai

Nach unserer Rückkehr von Lesbos im Frühling und dem Austausch mit den Menschen, die in Mitteleuropa zu Hause geblieben waren, wurde der Sommer geplant. Durch die teilweise positiven Antworten auf unsere bereits vor der Abreise gestellten Anfragen realisierte die Münchner Gruppe das erste Fest der Kulturinitiative Wannda am 30.04.3017. Diese erste Veranstaltung brachte uns 250 Euro und konnte dazu beitragen, durch unsere konkret gemachten Erfahrungen Informationen über die haarsträubende Situation der Geflüchteten auf Lesbos zu teilen.

Von 24.05 -27.05 fand das studentische Fest StuStaculum in München statt, wo wir ebenfalls zu Gast waren. Nach vier anstrengenden Tagen hatten wir 1750 Euro Spenden zusammen. So konnten wir bereits 2000 Euro an die NBK Lesbos überweisen die durch die permanente Veränderung der Umstände und immer höheren Versorgungsschwierigkeiten dringend auf Spenden angewiesen war.

Auch weil einige administrative Aufgaben der NBK dezentral von der Münchner Gruppe übernommen wurden, konnten wir von hier aus unterstützen. Das hat sehr geholfen, die Distanz zum Projekt nicht zu verlieren.

Im Alltag von uns Unterstützenden hieß es aber auch: Teilweise schwierige Gruppenfindungsprozesse, unerwartete Probleme, zeitliche Fehleinschätzungen, administrative Hürden, Distanzprobleme und nicht zuletzt sehr anstrengende körperliche Arbeit.

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Juni, Juli , August und September

Nach dem Stustaculum und dem Ract festival waren wir auf einer kleineren Kulturveranstaltung namens Sidewalk am 19 und 20. Juni in München auf der Schwanthalerhöhe. Zwei Tage brachten uns 700 Euro.

Dort konnten wir zwei wesentliche Kontakte herstellen. Einmal zum Streetlife Festival, einem großen Open Air Fest in München, das zweimal im Jahr stattfindet und von der Stadt organisiert wird. Außerdem bekamen wir einen Kontakt zur Bergschmiede. In diesem selbstverwalteten KünstlerInnenhof hatten wir die Möglichkeit wöchentlich auf den diversen Veranstaltungen zu kochen. So konnten wir einiges an Erfahrung sammeln und weitere Spenden von 2000 Euro einnehmen.

Um eine runde Summe zu überweisen wurden noch 300 zusätzliche Euro vom Team gespendet.

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Fragen über Fragen

Wenn wir bedenken dass ein Monat auf Lesbos zur Versorgung von Menschen 7000 Euro bedarf, stellt sich die Frage ob sich der Aufwand lohnt. Jeder Schritt ist natürlich wichtig, aber ist er auch nachhaltig?

Das erste was uns auffiel, war, dass gutes Essen teuer ist. Also, faire, gesunde Lebensmittel gegen freie Spende abzugeben gleicht zunächst einem Nullsummenspiel. Für teilweise angesichts der Größe von Portionen kleine Spendensummen pro Teller war immer eine Hand voll Leute tagelang beschäftigt.

Ein großes Problem war auch der permanente Auf- und Abbau der Küche.

Sie sollte mobil sein aber bei der Projektplanung war es relevant die Kosten niedrig zu halten also wird die Küche (an Stelle von einem ausgebauten Essenswagen) auf- und abgebaut. In dem Moment, wo sie länger an einem Ort steht, ist es kein Problem. Aber den Ort dauernd zu wechseln, kostet auf Dauer viel Zeit und erfordert zum Teil schwere körperliche Arbeit.

Um Unterstützung möglich zu machen muss auch für die Unterstützenden die Arbeit überschaubar bleiben. Dass zweite Fazit lautet also: Durchwachsen.

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Die Winterplanung: Ein ganz anderes Problem

Ein ganz anderes Problem aber bahnte sich auf Lesbos an. Wie bereits aus eigener Erfahrung gesehen, haben die UnterstützerInnen auf Lesbos ein Problem mit den Autos mit nicht-griechischen Kennzeichen. Diese dürfen lediglich zu privaten Zwecken auf der Insel genutzt werden. So entsteht eine schwammige Grenze zwischen Auslegungssache und Repression. Das Problem ist, dass die UnterstützerInnen auf Lesbos auf ein Auto angewiesen sind. Die Entfernungen zwischen den wichtigen Punkten auf der Insel sind schlichtweg zu weit.

In jedem Fall ist die reale Konsequenz, dass regelmäßig Autos konfisziert werden, welche erst bei der Abreise der HalterInnen von der Insel wieder ausgehändigt werden. Nun bestand der erste Lösungsansatz im Zulassen eines PKWs in Griechenland. Dass Problem ist nur, dass die PKWs ein bestimmtes Baujahr nicht überschreiten dürfen, da sonst die Anmeldung mehrere tausend Euro kosten kann. Also wieder viel Geld, das in Essen besser investiert wäre.

So machte es keinen Sinn, unseren VW-Bus mit der Küche nach Lesbos zu bringen, wie ursprünglich geplant. Und Teller, Töpfe und Kocher ohne Auto? Wohl auch nur schwer möglich. Aber was dann? Eine dauernde, auf Distanz beruhende Supportstruktur war eigentlich nicht der Plan. Der zu Ende gehende Sommer eröffnete also neue Fragen.

Leider keine Wintertour 2017/18 ?

Im Moment scheint eine Wintertour 2017/18 auf die griechischen Inseln unrealistisch. Es muss über die nächste Zeit gesehen werden, in wie weit die Küche als Unterstützungsinstrument wirklich sinnvoll nach Lesbos aufbrechen kann bzw. ob dies auf Grund der Lage sinnvoll ist. Oder ob unsere mobile „Sol_Eat“-Küche lieber eine rein lokale oder regionale Initiative in Mitteleuropa darstellen soll, welche für die NBK Lesbos ein bisschen Sicherheit darstellen kann.

Da der erste Sommerdurchlauf getan ist, fällt es nun viel leichter, das nächste Jahr (2018) zu planen, weil wir auf die bereits aufgebauten Strukturen und Erfahrungen zurückgreifen können. Auch ist die Frage, ob das System mobile Küche nicht vereinfachbar ist, indem zum Beispiel diese in einen Bauwagen eingebaut wird.

Das würde zukünftig viel Zeit sparen. Zeit, die es der Gruppe dann vielleicht ermöglichen kann, noch etwas mehr Spenden zu sammeln, um weiterhin für de facto gefangen gehaltene Menschen würdige und warme Mahlzeiten zu ermöglichen. Egal, ob mit Geld aus der Ferne oder Mitkochen vor Ort. Die Notwendigkeit besteht weiterhin. Traurigerweise. Auch lange nach dem Sommer 2015.

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