Mobile Küche: Die Wintertour

Februar und März 2017: Lesbos

Im Februar und März 2017 fand eine erste große Reise nach Lesbos statt.

Durch die Lage zu dieser Zeit auf der Insel und nach Gesprächen vorab haben wir uns dazu entschieden, Teil der bereits bestehenden selbstorganisierten Gruppe „no border kitchen Lesbos“ zu werden und diese als solidarische „Untergruppe“ mit Equipment und unserem Einsatz zu unterstützen.

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Die griechischen Inseln wurden in den letzten beiden Jahren zum Transitort für tausende Geflüchtete. Durch die Überforderung der Institutionen und der griechischen Behörden wurde Lesbos ein ungewollter Lebensraum für die Betroffenen. Nach unseren Erfahrungen gleicht die Situation der Insel für viele Geflüchtete einem Gefängnis, da es beinahe unmöglich ist die Insel zu verlassen. Durch die prekäre Lage der Menschen und die Situation von permanenter Ungewissheit über den Ausgang der individuellen Verfahren und den zermürbend langen Wartezeiten auf Termine, Anträge und Entscheidungen entsteht eine Notwendigkeit die Menschen zu unterstützen.

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Diese Unterstützungsarbeit ist vielfältig und wird von den unterschiedlichsten Akteuren wahrgenommen. Die Bereiche gehen weit über die bloße Versorgung von Geflüchteten hinaus, absolut wichtig ist es, juristische Unterstützung für Geflüchtete zu organisieren sowie medizinische Versorgung sicherzustellen. Viele Gruppen organisieren auch soziale Aktivitäten um die Spirale der Sinnlosigkeit, vor allem für die Kinder und Jugendlichen zu durchbrechen.

Generell halten sich die meisten Geflüchteten in den drei großen Camps auf: Mouria, PikPa und Caratepe.

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Darüber hinaus fallen Menschen aus unterschiedlichen Gründen komplett aus dem Netz der Hilfsstrukturen, so dass ungefähr 1000 Menschen ohne jegliche Unterstützung auskommen müssen. Sie schlafen meist in kleineren Gruppen irgendwo auf der Insel, am Strand, in verlassenen Häusern oder im Wald.

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Diese Menschen werden von der nbk-Gruppe mit „foodcups“ versorgt aber auch die Menschen aus den Camps kommen zu den Verteilungspunkten. Viele beklagen das Essen von offizieller Seite reiche bei Weitem nicht aus.

Des Weiteren bemüht sich die UnterstützerInnengruppe, die Gruppen, die sich abseits der Camps durchschlagen, auszumachen und zwei Mal die Woche Foodboxen mit einem Grundstock an Nahrungsmitteln zu verteilen.

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So bestand unsere erste Zeit auf Lesbos in einem Kennerlernen der zunächst undurchdringlich erscheinenden Strukturen, dem Ausleuchten der Möglichkeiten bzw. des Bedarfs an Unterstützung und der Eingliederung in Supportstrukturen.

April 2017 Massenverhaftungen auf Lesbos

Während wir versuchten die Lage und unseren weiteren Einsatz auf Lesbos zu planen kam es auf Lesbos zu vermehrten Verhaftungen von Geflüchteten und zur Räumung der informellen „Camps“.

Ein großes Problem stellt die Angst vieler Geflüchteter dar, zurück in die Türkei zu müssen und dort auf unbestimmte Zeit festgehalten zu werden. Die Anspannung ist groß, viele Menschen fliehen aus Mouria. Durch die Räumung der Plätze ist die Lage unübersichtlich und viele Geflüchtete versuchen unsichtbar zu sein. Dadurch verlieren sie auch jeden Anschluss an ein Hilfssystem, sei es von offizieller oder ziviler Seite. Absolut notwendig ist nun juristischer Beistand, vor allem wenn die Menschen über die Türkei abgeschoben werden. Meist verliert sich zunächst jeder Kontakt und UnterstützerInnen in der Türkei müssen die Menschen wiederfinden.

Deshalb haben wir ein klares Ziel für den Sommer: so viel Unterstützungsarbeit wie möglich zu leisten um mit unseren Spenden die Menschen weiterhin mit Essen zu versorgen aber auch Gruppen zu unterstützen, die Asyl- und /oder Abschiebungsprozesse begleiten.

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