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Mobile Küche: Endlich Sommer – Der lange Weg zum Aufbau einer nachhaltigen Supportstruktur

Mai 2017

sol_eat Sommer

Jetzt wird es ernst. Durch den Einsatz vieler Freiwilliger, die Arbeit und Spenden können wir unsere Solimaschine endlich anwerfen und mit gutem Essen Spenden für Geflüchtete auf Lesbos sammeln und über die Situation informieren.

sol_eat bedeutet solidarisch essen

Im Mai und Juni sind Veranstaltungen im alternativ/politischen/studentischen Kontext geplant.

Es soll nicht nur den Spenden sammeln dienen sondern auch über die Situation auf Lesbos informieren und unser Soliprojekt vorstellen.

Unsere ersten „Feste“ werden das große studentische selbstorganisierte Festival „Stustaculum“ in München vom 24.05.–28.05., das politische Umsonst- und Draußen-Festival „Ract!“ am 02./03.06. in Tübingen sowie ein kleineres Kulturfestival in München, Schwanthalerhöhe am 17./18.06 sein. Außerdem wollen wir eigene Veranstaltungen organisieren, in denen wir über die Situation Geflüchteter berichten und Menschen motivieren wollen, sich zu engagieren.

30.04.:  250 Euro für Lesbos

Unsere Feuerprobe hatte die kleine Soliküche am Sonntag den 30.04.2017. Die „Wann da“-Kulturinitiative gab uns die Möglichkeit, die ersten 250 Euro Spenden (Reinerlös) zu sammeln!

Soldarität ist (selbst)machbar!

Mobile Küche: Die Wintertour

Februar und März 2017: Lesbos

Im Februar und März 2017 fand eine erste große Reise nach Lesbos statt.

Durch die Lage zu dieser Zeit auf der Insel und nach Gesprächen vorab haben wir uns dazu entschieden, Teil der bereits bestehenden selbstorganisierten Gruppe „no border kitchen Lesbos“ zu werden und diese als solidarische „Untergruppe“ mit Equipment und unserem Einsatz zu unterstützen.

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Die griechischen Inseln wurden in den letzten beiden Jahren zum Transitort für tausende Geflüchtete. Durch die Überforderung der Institutionen und der griechischen Behörden wurde Lesbos ein ungewollter Lebensraum für die Betroffenen. Nach unseren Erfahrungen gleicht die Situation der Insel für viele Geflüchtete einem Gefängnis, da es beinahe unmöglich ist die Insel zu verlassen. Durch die prekäre Lage der Menschen und die Situation von permanenter Ungewissheit über den Ausgang der individuellen Verfahren und den zermürbend langen Wartezeiten auf Termine, Anträge und Entscheidungen entsteht eine Notwendigkeit die Menschen zu unterstützen.

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Diese Unterstützungsarbeit ist vielfältig und wird von den unterschiedlichsten Akteuren wahrgenommen. Die Bereiche gehen weit über die bloße Versorgung von Geflüchteten hinaus, absolut wichtig ist es, juristische Unterstützung für Geflüchtete zu organisieren sowie medizinische Versorgung sicherzustellen. Viele Gruppen organisieren auch soziale Aktivitäten um die Spirale der Sinnlosigkeit, vor allem für die Kinder und Jugendlichen zu durchbrechen.

Generell halten sich die meisten Geflüchteten in den drei großen Camps auf: Mouria, PikPa und Caratepe.

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Darüber hinaus fallen Menschen aus unterschiedlichen Gründen komplett aus dem Netz der Hilfsstrukturen, so dass ungefähr 1000 Menschen ohne jegliche Unterstützung auskommen müssen. Sie schlafen meist in kleineren Gruppen irgendwo auf der Insel, am Strand, in verlassenen Häusern oder im Wald.

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Diese Menschen werden von der nbk-Gruppe mit „foodcups“ versorgt aber auch die Menschen aus den Camps kommen zu den Verteilungspunkten. Viele beklagen das Essen von offizieller Seite reiche bei Weitem nicht aus.

Des Weiteren bemüht sich die UnterstützerInnengruppe, die Gruppen, die sich abseits der Camps durchschlagen, auszumachen und zwei Mal die Woche Foodboxen mit einem Grundstock an Nahrungsmitteln zu verteilen.

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So bestand unsere erste Zeit auf Lesbos in einem Kennerlernen der zunächst undurchdringlich erscheinenden Strukturen, dem Ausleuchten der Möglichkeiten bzw. des Bedarfs an Unterstützung und der Eingliederung in Supportstrukturen.

April 2017 Massenverhaftungen auf Lesbos

Während wir versuchten die Lage und unseren weiteren Einsatz auf Lesbos zu planen kam es auf Lesbos zu vermehrten Verhaftungen von Geflüchteten und zur Räumung der informellen „Camps“.

Ein großes Problem stellt die Angst vieler Geflüchteter dar, zurück in die Türkei zu müssen und dort auf unbestimmte Zeit festgehalten zu werden. Die Anspannung ist groß, viele Menschen fliehen aus Mouria. Durch die Räumung der Plätze ist die Lage unübersichtlich und viele Geflüchtete versuchen unsichtbar zu sein. Dadurch verlieren sie auch jeden Anschluss an ein Hilfssystem, sei es von offizieller oder ziviler Seite. Absolut notwendig ist nun juristischer Beistand, vor allem wenn die Menschen über die Türkei abgeschoben werden. Meist verliert sich zunächst jeder Kontakt und UnterstützerInnen in der Türkei müssen die Menschen wiederfinden.

Deshalb haben wir ein klares Ziel für den Sommer: so viel Unterstützungsarbeit wie möglich zu leisten um mit unseren Spenden die Menschen weiterhin mit Essen zu versorgen aber auch Gruppen zu unterstützen, die Asyl- und /oder Abschiebungsprozesse begleiten.

Ringvorlesung “Stadt für Alle” 2017

  • Ringvorlesung "Stadt für alle?!" // Informationen & Programm

Rückblick und Ausblick 2016/2017: Projekt “Mobile Küche”

Memfarado startet mit einem praktischen Projekt in das Jahr 2017: eine mobile Küche. Nach Jahren der meist projektadministrativen oder choaching-orientierten Arbeit wollen wir endlich mehr Praktisches tun.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt mobile Küche 2016 um ein neues zivilgesellschaftliches transnationales Supportnetzwerk zu gründen welches Geflüchtete an den inneren und äußeren Grenzen Europas unterstützt.

Um das Projekt zu realisieren, haben wir im Jahr 2016 Förderungen vom Lush Charity Pot sowie der österreichischen HochschülerInnenschaft erhalten und ein Auto organisiert. Wir bedanken uns nochmal herzlich für die Unterstützung unseres Projektes. Außerdem konnten wir uns über die tatkräftige Unterstützung der Teilnehmenden einer ERASMUS+ -Jugendbegegnung freuen, die wir im September 2016 zum Thema Flucht und Unterstützungsarbeit organisiert hatten.

 

Collage showing various Mobile Kitchen Items like the van, bar tent, cooking equipment, bamboo gas cooker tent structure

Collage of Photos taken during the Set-Up of the Mobile Kitchen in September 2016

Es handelt sich bei der Gründung eines mobilen Küchenkollektivs um einen langfristigen Plan. Die Versorgung von Menschen im Winter und die Unterstützung „on the ground“ soll durch Kochen auf alternativen Festivals bzw. durch Informations- und Solidaritätsveranstaltungen im Sommer finanziert werden. Wir haben im letzten Jahr die Infrastruktur aufgebaut, sowie die Vernetzung von Unterstützerinnen vor allem in Österreich, Deutschland und Slowenien koordiniert.

Unser erstes Ziel: Griechenland.

Schon lange engagieren sich zahlreiche Menschen in Griechenland, um die Geflüchteten dort zu unterstützen. Vor allem Thessaloniki und Athen sind Brennpunkte, aber auch die griechischen Inseln. Eine erste Reise führt uns über die Städte nach Lesbos.

SUPPORT!

Natürlich braucht ein Projekt wie dieses Unterstützung. Für eine Beteiligung jeder Art sind wir sehr dankbar. Wenn ihr unser Projekt unterstützen wollt schreibt uns bitte eine Nachricht: mobile-kitchen (ätt] memfarado [dot) org

Programm: Austausch zum Thema “Selbstorganisierte Unterstützungs-Initiativen für Geflüchtete”

In den ersten zwei Septemberwochen wird unsere Veranstaltung zu oben genanntem Thema stattfinden. Kern sind eine ERASMUS+-Jugendbegegnung zwischen Teilnehmenden aus Wien bzw. AT und Maribor bzw. SLO, sowie der Aufbau einer mobilen Küche für Versorgung an den Grenzen / Sammelpunkten im Winter. Die Workshops öffnen wir aber bewusst für weitere Interessierte: Warum denn dieses Wissen unter Verschluss halten?!

Das Programm wird in den nächsten Wochen auf der Unterseite “Europa und seine Grenzen 2” konkretisiert und aktualisiert. Im Groben erwartet euch Folgendes:

  • “Wie gründen wir eine mobile Küche?”: Ausbau eines Wagens, Zusammenstellung der Materialien, Organisation eines dezentralen Kollektivs, Verankerung in mehreren Städten und dezentrales Spendensammeln
  • “Wie kann Sprachenlernen organisiert und unterstützt werden?”
  • “Dezentrale Unterbringung”: WG-Zimmer-Angebote, Unterstützung bei der Wohnungssuche, private und portalbasierte Spendensammlung, Vermittlung von speziellen Zielgruppen (z.B. LGBTIX)
  • “Sexualpädagogik mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten”: Nutzung von Dolmetscher_innen, Erfahrungen kulturellen Unterschieden in Bezug auf Sexualität
  • “Musik als Mittel für Vieles!?”: Singen als Mittel zum Spracherwerb, Singen und Tönen zum niederschwelligen Mitmachen, Zusammenwirken unterschiedlicher Musik- und Instrumentenkulturen
  • “Etwas tun trotz Arbeitsverbot!”: Initiativen, die Menschen ohne Arbeitserlaubnis ihre Fähigkeiten nutzen und weitergeben helfen
  • “Bildung als Schlüssel?!”: Initiativen, die beim Nachholen von Abschlüssen unterstützen oder unkonventionelle Bildungsarbeit leisten
  • “Gut argumentieren, Ängste nehmen, Begegnungen ermöglichen”: Tipps im Umgang mit ablehnend gesinnten oder unbegründet ängstlichen Menschen in der Umgebung
  • und vieles mehr

Wöchentliche Deutschlerngruppe

Im März folgte ein Vereinsmitglied von Memfarado mit seiner Mitbewohnerin einem Aufruf des Kollektivs “Offene Deutschkurse“, eine der neu entstehenden “dezentralen Lerngruppen” zu übernehmen. Was würde besser in den Grundgedanken von Memfarado passen: Immaterielle Dinge im Sinne des DIY selbst machen, wenn sie gebracht werden! Mit wenig aufwändigen Mitteln – und recycletem (Alltags-)Material.

Seitdem haben wir einmal wöchentlich eine Einheit mit ein paar zusammengewürfelten Sesseln, ein paar Teetassen und recycleten Altplakaten zum Auf-die-Rückseite-Schreiben gestaltet.

Die sechs jungen Leute, die erst im letzten Jahr neu nach Wien gekommen sind, nutzen das Angebot zusätzlich zu (vollen und unpersönlichen) Deutschkursen. Bei uns können auch Fragen gestellt werden, die gar nicht zum Thema passen. Es wird viel geredet, gelacht und an Hand von ganz praktischen Beispielen gelernt (Stadtplan analysieren, Volleyballspielen im Park, die Möbel im Zimmer durchgehen, etc.).

Das Kollektiv “Offene Deutschkurse” hat bis zum Sommer einige Treffen organisiert, bei denen sich die Gruppenleiter_innen wertvolle didaktische Tipps holen und über ihre Erfahrungen austauschen konnten.

Wir sind gespannt auf die nächsten Monate!

Einladung zum Austausch zwischen engagierten jungen Menschen in Unterstützungsinitiativen für Geflüchtete (Fokus: AT und SLO)

Follow-Up-Projekt im September 2016: “Europa und seine Grenzen 2″

Schon bevor der Großteil der Bevölkerung und die Mainstreammedien sich vom Thema “fluchtbedingte (Massen-)Migration” im Sommer 2015 ganz plötzlich “überrascht” fühlten, wussten z.B. Aktivist_innen aus Calais über die menschenunwürdigen Lebensumstände geflüchteter und feststeckender Menschen in Europa Bescheid und machten kritisch darauf aufmerksam, dass sich diese Zustände in Zukunft eher vermehren als vermindern würden. Die Aktivist_innen stellten dabei fest, dass die etablierten Strukturen des s.g. “Sozialstaats” bzw. von Charity-Organisationen den betreffenden Menschen keine (ausreichende) Unterstützung mehr geben konnten – bzw. wollten. Einerseits zwar kritisch betrachtet, da auf die Freiwilligkeit ohnehin schon oftmals prekär lebender Engagierte abgewälzt, war das ernüchternde Fazit, dass die bestmögliche Unterstützung mittelfristig doch eher in der Diversität privater und lokaler Initiativen zu finden sein würde. Dieser frühen Vorahnung folgend reichte Memfarado bereits im Jahr 2014 ein Projekt ein, dass im April 2015 (also noch vor dem drastischen Anstieg der Zahlen flüchtender Menschen im Sommer!) stattfand: Es brachte im Rahmen einer Jugendbegegnung Personen aus Deutschland und Österreich bzw. Berlin und Wien zusammen, um sich über die lokalen Unterstützungsmaßnahmen in ihren Umfeldern auszutauschen, voneinander lernen und ggf. Projekte multiplizieren zu können.

Im Sommer 2015 erkannten wir dann einmal mehr die Relevanz derartiger Vernetzung und Reflexion. Daher reichten wir ein Folgeprojekt ein, zu dessen Teilnahme wir euch hiermit herzlich einladen: Im September 2016 stellen wir (voraussichtlich in der Wiener Umgebung) Raum und Programm bereit, innerhalb dessen sich Menschen (bis 30) mit Wohnsitz/Aufenthalt in Österreich* mit Kolleg_innen aus Slovenien treffen können. Inhaltlich geht es darum, sich über verschiedene (gut laufende) Unterstützungsinitiativen in beiden Ländern (oder auch anderswo) auszutauschen, um mitgenommene Ideen später selbst daheim zu multiplizieren. Zielgruppe sind dabei Personen, die selbst schon in einer Initiative aktiv sind. Raum und Programm stehen aber auch Personen offen, welche noch auf der Suche nach einer Unterstützungsform sind, bei der sie sich engagieren wollen.

Grob angedacht ist Folgendes: Das Treffen wird 2 Wochen dauern. Vormittags gibt es Präsentationen von verschiedenen Initiativen. Ebenfalls werden wir Projektmanagement-Wissen teilen, um ein wenig “Werkzeug” für den Aufbau von Initiativen mitzunehmen (Finanz- und Zeitplanung, Fördermöglichkeiten, Kommunikationstools, etc.). Nachmittags wollen wir gemeinsam an einer mobilen Küche bauen, die nach Ende der zwei Wochen das Kernstück einer neuen Unterstützungsinitiative für Menschen auf dem Fluchtweg sein wird.

Wer selbst Interesse hat, kann gern über folgende Adresse mit uns in Kontakt treten: office(a-t)memfarado(punkt)org. Wer potentiell interessierte Personen kennt, kann uns helfen, indem diese Einladung weitergeleitet wird! Falls ihr euch als Initiative bei uns präsentieren wollt, seid ihr ebenfalls herzlich willkommen, mit uns Kontakt aufzunehmen!

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* das Projekt ist ein ERASMUS+-Jugendprojekt; daher gibt es bestimmte Rahmenbedingungen für die Teilnehmenden der gesamten Jugendbegegnung. Allerdings stehen die einzelnen stattfindenden Workshops natürlich auch weiteren Personen offen, welche die offiziellen Kriterien nicht erfüllen, solange dies den räumlichen Rahmen nicht sprengt.

Für eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten / Spendenaufruf

Viel wird und wurde über die Unterbringung von (kürzlich) Geflüchteten bzw. Angekommenen geredet und geschrieben. Auch hier muss Memfarado einfach sagen: “Selbstmachen heißt das Schlüsselwort!”
Einige Initiativen gibt es bereits, die im großen Stil Vermittlung (z.B. in WGs) betreiben bzw. über Spenden Mietfinanzierung realisieren.
Auch wir wollen in unserem nächsten Umfeld mithelfen: In unserer unmittelbaren Nachbarschaft wird in einer WG ein Zimmer einem Asylwerber zur Verfügung gestellt, für das über Spenden die Miete finanziert werden soll. Im Folgenden der Aufruf. Alle bei uns unter dem Stichwort “Spende Soli-Miete Refugee” eingehenden Beträge werden an die Hauptmieterin der WG überwiesen.

Liebe Freund_innen, Bekannte und Unbekannte,wir brauchen eure finanzielle solidarische Unterstützung!

 Wir wollen gemeinsam versuchen, für Mitbewohner unserer WG, Mietbeiträge über solidarische Spenden zahlen zu können. Unsere Ressourcen weiterhin nur über Soli-Feste oder Soli-Cocktails Spenden zu sammeln, um gemeinsam die Miete aufzustellen, sind leider gering. Nach einem Austausch mit der Gruppe „Flüchtlinge Willkommen“ und positiven Erfahrungsberichten über Spendenaufrufe in solchen Fällen, wollen auch wir es auf diese Weise versuchen.

 Mehr Infos dazu: http://www.fluechtlinge-willkommen.at/

 Wir als Gemeinschaft wollen Menschen in prekären Lebenssituationen unterstützen und bitten weitere Menschen um Unterstützung. Je mehr Menschen einen finanziellen Beitrag leisten können, desto weniger spürt es jede_r Einzelne.

 Für die nächsten 11 Monate brauchen wir ca. 450 Euro pro Monat.

 Wenn es eure finanziellen Ressourcen ermöglichen, einen monatlichen Soli-Beitrag – zwischen 5-10 Euro (gerne auch mehr) – leisten zu können, wäre uns damit sehr geholfen. Dies könnte in Form eines Dauerauftrags oder als einmalige Zahlung für mehrere Monate passieren.

 Wir bitten euch uns kurz Bescheid per Mail Bescheid zu geben wie viel ihr zahlen könnt und wollt. Die Kontodaten würden wir euch daraufhin bekannt geben.

 Hier nun die Email-Adresse: soli-zimmer(-ät-)memfarado[-punkt-]org

 

Mit Solidarischen Grüßen,

 die WG

Jugendbegegnung “Europa und seine Grenzen” zur Stärkung lokalen Engagements für Unterstützung von Menschen auf der Flucht

Im Nachhinein scheint uns, dass das EU-Jugendbegegnungsprojekt “Europa und seine Grenzen” gerade zum richtigen Zeitpunkt von uns durchgeführt wurde. Denn wer hätte das bei der ersten Einreichung des Antrags vor eineinhalb Jahren gedacht: Statt einer Abnahme der damals schon häufigen Berichterstattungen über die absolut prekären Lebensumstände von Menschen auf der Flucht ist und war in diesem Frühjahr/Sommer sogar noch eine Zunahme zu beobachten.

Die traurige Grundbotschaft: Innerhalb der Grenzen Europas befinden sich Millionen Menschen auf der Flucht. Sie haben teilweise keine Rechte, Papiere und/oder Zugang zu lebensnotwendigen Dingen.
Selbst wenn das biologische Überleben gesichert ist, wird ihnen Partizipation, also soziales Leben, oft verunmöglicht. Manchmal über Jahre und Jahrzehnte.
Staatliche bzw. suprastaatliche Strukturen scheinen wie erstarrt. Ob aus politischem Kalkül oder tatsächlichem Unvermögen der unflexiblen Apparate: Das tägliche Leben der betroffenen Menschen ist eine humanitäre und soziale Katastrophe. Inmitten einer der reichsten Regionen der Welt.

Auf zivilgesellschaftlicher und individueller Ebene gibt es viele Menschen, die Unterstützung leisten wollen. Hierbei resignieren viele oft schon daran, dass sie sich allein nichts zutrauen. Obwohl dem nicht so sein muss, scheint es dort, wo mehrere Menschen gemeinsam etwas organisieren, einfacher zu gehen. Gerade in Ballungsräumen entstehen dadurch vielfältigste private Unterstützungsstrukturen für Menschen auf der Flucht: Sei es für gutes Essen (Volksküchen, Tafeln), Unterkünfte abseits der Lager und Heime (z.B. Vermittlung in WGs und Spendensammlung für die Miete), Amtsassistenz und Beratung, offene und kostenlose Sprachkurse – um nur einige Dinge zu nennen.

Quer durch Europa zeigt sich, dass solche ehrenamtlichen Strukturen und Know-How lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt sind: z.B. im Vergleich zwischen Berlin und Wien.
Memfarado folgt dem Grundgedanken, die DIY-Kultur von selbstgebastelten Dingen auf selbstorganisierte gesellschaftliche Strukturen zu übertragen und das informelle Voneinanderlernen zu fördern. Für den Themenkomplex “Flucht und Unterstützung” lag insofern nah, das Konzept für eine Jugendbegegnung einzureichen, um einen Austausch von Berliner Initiativen bzw. engagierten Menschen mit solchen in Wien zu fördern. Langfristiges Ziel sollte die Stärkung von Netzwerken und das Keimen neuer Unterstützungsinitiativen sein.

Nach der positiven Zusage durch die österreichische Nationalagentur für das ERASMUS+-Programm der EU-Kommission setzte Memfarado die Jugendbegegnung gemeinsam mit der Berliner Organisation EYFA um.

Blogbild Europa und seine Grenzen (Jugendbegegnung)

Vom 01. bis 12. April 2015 trafen in Wien je fünfzehn junge Leute aus Berlin und Wien zusammen: Es wurde vernetzt, ausgetauscht, neues Wissen angeeignet und ein paar Projektideen auf den Weg gebracht.

Die Tage waren äußerst abwechslungsreich und boten ein dichtes Programm: In Vorträgen von bestehenden Initiativen konnten die Teilnehmenden einen Einblick in die Organisationsstruktur und die positiven Auswirkungen von Gruppen nehmen, die auch einmal als Projektidee begonnen haben. Gruppendiskussionen und Reflexionsrunden halfen dabei, alle Einzelnen auf einen ähnlichen Stand der Dinge zu bekommen, was den Themenkomplex Flucht, Migration und EUropa angeht.
Außerdem wurden durch zwei Dokumentarfilmabende weitere Informationen und Eindrücke in die Gruppe gestreut. Auch methodische und organisatorische Workshops wurden abgehalten, um Einzelpersonen und Gruppen Werkzeuge zum Aufbau von Initiativen in die Hand zu geben.
Um bei lauter Theorie und Organisation die “Praxis” bzw. konkrete Menschen nicht zu vergessen, gab es auch Austauschtreffen, Sport- und Kochbegegnungen mit geflüchteten Menschen, die in Wien leben.
Für unsere Berliner Teilnehmenden wurde ein antirassistischer Stadtrundgang organisiert, der die oft verborgenen oder nicht aktiv herausgestellten “traurigen” Orte der Stadt in Bezug auf Flucht bzw. Rassismus zeigt.
Wir hatten das Glück, mit dem Projekt “Migrant Solidarity Werkstatt Woche” kooperieren zu können, mit dessen Mitgliedern wir die Räumlichkeiten teilten und von dessen “kreativen Werkstätten” unsere Teilnehmenden profitierten: So konnten sie immer wieder mithelfen, Goodies mit fluchtpolitischen Botschaften zu erzeugen (T-Shirts, Taschen, Buttons, etc.), die am Ende über das “Migrant Solidarity Network” für Spendensammlungen genutzt werden.

Die Zeit war viel zu schnell vorbei und es schien, als gebe es noch unendlich viel mehr zu diskutieren, zu lernen und zu organisieren. In jedem Fall halten wir von Memfarado das Thema weiterhin für hochaktuell und brisant. Daher wollen wir uns weiter für aktive, engagierte Arbeit in kleinen und lokalen Strukturen einsetzen, um das momentan beobachtbare Versagen der öffentlichen Strukturen kompensieren zu können.

Deshalb haben wir auch vor, eventuell ein Follow-Up-Event zu organisieren! Denn die Welt und Europa sind groß, Misere gibt es leider viel zu viel – zu lernen und auszutauschen aber auch!
Aber vielleicht gönnen wir uns noch etwas Verschnaufpause. Denn obwohl die Jugendbegegnung selbst schon mehr als zwei Monate vorüber ist, muss ja hinter den Kulissen immer noch länger gearbeitet werden: Erst jetzt, Mitte Juli, haben wir den Endbericht für die EU-Nationalagentur online stellen und die Abrechnung fertig machen können.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen aktiven, passiven, individuellen und kollektiven UnterstützerInnen bedanken: Von EU/ERASMUS+, über ÖH und die Migrant Solidarity Werkstatt Woche, bis hin zu den Einzelpersonen, die mit uns ihre persönliche Geschichte geteilt haben und den referierenden Initiativen (KaMa, Watch the Med, Initiative für Solidarische Literatur, Migrant Solidarity Marokko). Und ganz natürlich bei euch, liebe TeilnehmerInnen – sowie bei unserer tollen Partnerorganisation EYFA in Berlin!

Initiative SOLIT: Literarische Gehversuche in einer irrsinnigen Welt zum Soli-Zweck

LESUNG:___AMY_NON!*___CALAIS CALAIS___

DONNERSTAG /19.03.15/18.00UHR/TÜWI: HOFLADEN

„Es geht um Aktivismus an Grenzen.  Zum Einen um das Erleben, Bilder.  Zum Anderen um Recherche, Suchen.  Und um Fragen, offene.  Dann eine Konsequenz, wieder.  Am Ende um Widerstand.”

Die Initiative für solidarische Literatur startet mit einem ersten Buchprojekt, „Calais Calais“. Im Buch „Calais, Calais” beschreibt eine Aktivistin des Netzwerks „Calais Migrant Solidarity” ihre Eindrücke in Calais. Sie erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen in der Zeit, die sie dort verbrachte und beschreibt Situationen, die sie erlebte. Als persönlicher Erfahrungsbericht stellt das Buch eine Ergänzung zu Faktenberichten, die über Calais existieren, dar und vermittelt anschaulich und persönlich die Situationen, die Migrant_innen, aber auch Aktivist_innen dort tagtäglich erleben.

SOLIT soll SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und MusikerInnen einen Raum geben durch ihre Kunst AktivistInnen und Betroffene in prekären Situationen unterstützen.

Das Buch Calais Calais von Amy Non wird voraussichtlich ab April erhältlich sein, die Einnahmen gehen direkt und zu 100% Prozent an die Migrant Solidarity Calais.

Am Donnerstag, den 19.03.2015 um 18.00 im Tüwi/Hofladen wird das Buch und die Initiative vorgestellt.